Lass doch mal einer die heiße Luft raus! – Das BlaBlaMeter von Webentwickler Bernd Wurm entlarvt Worthülsen und Geschwafel. Wer seinen Text in das Tool einspeist, erfährt, wie viel Substanz drin steckt. Hier schneide das Parteiprogramm der FDP schlecht ab, die Bibel sei deutlich gehaltvoller, berichtet die ZEIT. Was das BlaBlaMeter wirklich über die Textqualität aussagt, ist fraglich, eine interessante Spielerei ist es allemal.
Das BlaBlaMeter analysiert den Sprachstil: Dominieren Nominalstil, inhaltsleere Worte und Bandwurm-Wörter, steigt der „Bullshit-Index“ auf einer Skala von 0 bis 1.
BILD gehaltvoller als Spiegel

Quelle: www.blablameter.de
„PR-Profis, Politiker, Berater, Werbetexter oder Professoren müssen hier tapfer sein!“, heißt es auf der Website. Ich hab das BlaBlaMeter gefüttert, mit eigenen und mit fremden Texten:
Meine letzte Fachpressemitteilung liegt mit 0,22 „auf akzeptablem Niveau“. (Immerhin: Das BlaBlaMeter ordnet diesen Wert in den FAQ den „hochwertigen journalistischen Texten“ zu.) Der getestete Spiegel Online-Artikel erzielt denselben Wert. Der BILD-Redaktion attestiert das BlaBlaMeter mit 0,16 etwas mehr Substanz. Den höchsten Wert erreicht eine Pressemitteilung der Uni Frankfurt, Bullshit-Index 0,46: „Ihr Text riecht schon deutlich nach heißer Luft – Sie wollen hier wohl offensichtlich etwas verkaufen oder jemanden tief beeindrucken. Für wissenschaftliche Arbeiten wäre dies aber noch ein akzeptabler Wert (leider).“
Entwickler Wurm berichtet übrigens von Werbetextern, deren Texte von den Auftraggebern korrigiert zurückgesendet wurden – mit einem stark erhöhten Bullshit-Index.
Und jetzt? – Lassen wir die Luft raus!
Sollten wir nun jede Pressemitteilung vor Aussand durch das BlaBlaMeter jagen? Sicher nicht: Der Bullshit-Index ist kein valider Gradmesser für inhaltliche Güte, sein Algorithmus reduziert Textqualität auf wenige stilistische Kriterien. Trotzdem: Es schadet nicht, die heiße Luft aus dem Text zu lassen – und darauf zu achten, auch keine neue hineinzublasen.
Am besten schnitt übrigens Goethes „Erlkönig“ ab. – Bullshit-Index 0! – Und wer jetzt meint, dass in ihm schon immer ein Goethe schlummert, der kann direkt das nächste Textanalyse-Tool ausprobieren: „Ich schreibe wie…“
 |
Anne Tessmer
 |
|