Fast jeden Tag prasseln neue Hiobsbotschaften auf uns ein: Anfang Dezember veröffentliche die FTD ein Dossier zum Euro-Sündenfall: „Europa am Abgrund“ hieß es und skizzierte das Worst-Case-Szenario eines baldigen Endes der Gemeinschaftswährung, schaurig bebildert mit dem Triptychon „Das Jüngste Gericht“ von Hans Memling.
Sind wir von den Horrorgeschichten aus der Wirtschaft abgestumpft? Empfinden wir Finanz-, Wirtschafts-, Verschuldungs-, Eurostaatenkrise zunehmend als Paralleluniversum? Mitnichten, die Ergebnisse einer Gemeinschaftsstudie der Universität Hohenheim und der ING-DiBa AG zeigen: Den Bürgern ist klar, dass die aktuellen Probleme rund um Euro und Staatsverschuldung nicht spurlos an Deutschland vorüberziehen werden. Eine deutliche Mehrheit der Befragten glaubt, dass die Krise uns noch lange beschäftigen wird (91 %) und ihr Höhepunkt noch nicht überschritten ist (70 %). Auch die persönliche Betroffenheit des Einzelnen ist hoch. Die Krise wird keinesfalls nur als Problem der internationalen Finanzmärkte wahrgenommen.
An Problembewusstsein mangelt es also nicht – umso mehr jedoch an Vertrauen. Weder den Verantwortlichen (Bundestag, EZB, Wirtschaftsakteuren etc.) noch den Berichterstattern schenken die Deutschen ihr Vertrauen. Zwar glauben die Bürger mehrheitlich, dass dem Thema in den Medien die nötige Aufmerksamkeit geschenkt wird (64 %). Jedoch trauen sie weder den präsentierten Fakten (41 %) noch den journalistischen Kommentaren (41 %). Es gibt allerdings auch Positives: Mehr möchten die Bürger bzw. Entscheider in der Wirtschaft über den Einfluss von Unternehmen auf Politik und Gesellschaft wissen (48 % bzw. 58 %) sowie über den reziproken Einfluss auf die Wirtschaft (43 % bzw. 46 %).
Gerade in der Krise ist es für Kommunikatoren wichtig, Wirtschaftsthemen gesamtheitlich zu denken. Nicht mehr die an der BWL orientierte Einzelbetrachtung eines Unternehmens, sondern die an der VWL orientierte Analyse von wirtschaftlichen Zusammenhängen muss im redaktionellen Mittelpunkt stehen. Wirtschaft ist eben kein Biotop, das losgelöst von politischen, sozialen und gesellschaftlichen Bezügen betrachtet werden kann. Wer diese verbreiterte Medienagenda richtig nutzt, wird im Kampf um öffentliche Unterstützung erfolgreicher sein.
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Jörg Dörwald ![]() |




















